Montag, 23. Februar 2009

Verwirrender Klima-Cocktail

In der NZZ am Sonntag (22. Februar 2009, S. 25) habe ich einen Artikel von Heinz Wanner, Professor für Geografie und Klimatologie, gelesen, der vom diesjährigen starken Winter und dessen Korrelation mit der globalen Erwärmung berichtet. Wanner weist darauf hin, dass der harte Winter nicht über die globale Erwärmung hinwegtäuschen kann. Schaut man nämlich über die Schweizer Grenzen hinaus, ist der Winter in Europa ausgesprochen warm. Wanner betont vor allem die Wichtigkeit der „globalen Sicht“, die auch Al Gore in „An inconvenient truth“ anspricht. Der Einfluss des Menschen durch den Treibhauseffekt, die Luftverschmutzung und die Veränderung der Erdoberfläche durch Verstädterung, Abholzung usw. ist immens, und die Erwärmung der Ozeane könnte vielleicht bald noch zu einem grösseren Problem werden als die Erwärmung der globalen Atmosphäre.
Der Bericht zeigt auch den Schadenanteil der reicheren Länder im Vergleich zu den ärmeren auf und die Tatsache, dass schliesslich die Armen zuerst von den Folgen betroffen sind. Wir haben also eine Verantwortung gegenüber den Entwicklungs-ländern, die wir dringlichst wahrnehmen müssen.

Auch wenn heute vielleicht bereits kleine Schritte zur Verbesserung unternommen werden, ist es schwierig, Menschen von etwas zu überzeugen, was sie aufgrund des Wohlstandes nicht erkennen oder einfach nicht sehen wollen. Müssen wir wirklich zuerst einmal richtig leiden, damit die Klimapolitik Fortschritte erzielen kann?

Dass Nachhaltigkeit auch ohne Leidensdruck möglich ist, zeigt ein Artikel aus dem heutigen St. Galler Tagblatt (23. Februar 2009, S.11). Darin ist vom ersten Mehrfamilienhaus der Schweiz, das mehr Energie produziert, als es selber benötigt, die Rede. Dieses Haus versorgt sich komplett selbst und erzeugt zusätzlich noch Überschussenergie in Form von Warmwasser und elektrischem Strom, die an die Nachbargebäude abgegeben werden. Auf diese Weise können jährlich12 000 Liter Heizöl eingespart werden.

Erstaunlich finde ich, dass die Baukosten für dieses Haus nur 15% höher sind, als bei einem ganz gewöhnlichen Haus. Ich kann mir sehr gut vorstellen, später selbst einmal ein solches Minergie-Haus zu bauen. Natürlich sind dazu die finanziellen Mittel notwendig. Heute wird leider aber oft der finanzielle Mehraufwand dem höheren, nachhaltigen Lebensstandard vorgezogen.

4 Kommentare:

  1. Hallo Annatina

    Ich finde es immer spannend, etwas über Minergie-Häuser zu lesen. Das energiesparende Wohnen interessiert mich sehr. Ich war auch sehr überrascht, dass es nicht teurer ist ein solches Haus zu bauen. Ich bin der Meinung, der Staat sollte Menschen, die sich für den Bau eines solchen Hauses entscheiden auch entschädigen. Es wären dann sicher noch mehr Menschen für einen solchen Schritt bereit.

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  2. Ich finde diesen Artikel ebenfalls interessant und vor allem zeigt es die Ansichten eines grossen Teils unserer Bevölkerung. "Sieh nur, wie kalt dieses Jahr doch der Winter ist, so schlimm kann es ja mit der globalen Erwärmung nicht sein!" Oftmals verschliessen wir die Augen vor all den wissenschaftlich belegten Tatsachen. Dies liegt wahrscheinlich wirklich daran, dass wir noch nicht direkt von der globalen Erwärmung betroffen sind. Vor allem wir hier in Europa wurde bislang von grösseren Katastrophen verschohnt. Ich hoffe jedoch, dass wir bald einsehen, dass etwas verändert werden muss, bevor es zu spät ist....

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  3. Manchmal, wenn es gerade wieder stürmt oder extrem fest schneit oder halt überhaupt nicht schneit im Winter, sitze ich zu Hause und überlege mir weshalb dies so ist. Immer wieder gibt es extreme Ereignisse der Natur und ich bin mir sicher, dass die Erde irgendwann zu Grunde geht, wenn sich nichts ändert. Gerade so Extremereignisse sollten uns Menschen doch aufwecken. Aber wie du geschrieben hast ist es für viele Menschen unvorstellbar auf Luxus zu verzichten und sozusagen "einen Schritt in der Entwicklung" zurück zu gehen. Naja :-(

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  4. tja man siehts am Beispiel der UBS: erst wenns zum Kollaps kommt, verändern die Menschen ihre Sicht- und Lebensweisen. So tragisch es ist, erst wenns schmerzt kommen viele Menschen zur Vernunft. Solange es uns gut geht, wir nicht direkt mit den Problemen in Berührung kommen und noch Geld verdienen, verlieren wir auch keine Gedanken an irgendwelche Bedrohungen.

    Der Mensch ist und bleibt ein Egoist!

    cheers =)

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