Mittwoch, 11. März 2009

Nespresso,Ei,Minergie&Co.

Liebe Studierende, endlich hat es mit der Einladung geklappt, so dass ich mich jetzt auch bei Ihnen melden kann. Gerne trage ich einige Gedanken dazu bei. Mit grossem Interesse habe ich Ihren Blog gelesen. Der Post zum Thema 'Espresso von Nespresso' hat mich daran erinnert, dass auch ich dringend noch Kaffee bestellen sollte - per Internet. Mir geht leider auch nichts über einen solchen Espresso am Morgen, obwohl ich mir bewusst bin, dass dies ganz sicher keine nachhaltige Art des Kaffeegenusses ist. Bedenkenswert ist nämlich auch die Produktion und das Recycling der Aluminium-Kapsel. Ich beruhige mein Gewissen dadurch, dass ich die gebrauchten Kapseln geflissentlich zur Sammelstelle in unserer Gemeinde bringe. Eine solche gibt es zum Glück seit kurzer Zeit. Ich denke, dass all die vielen Nespresso-Konsumenten und -konsumentinnen bezüglich Transparenz bei der Produktion einigen Druck auf Nestlé ausüben könnten, wenn sie sich zusammen schliessen würden. Viele Bewegungen gehen auf solche Initiativen zurück, nicht zuletzt die ganze Fair-Trade-Bewegung. Ich erlebte noch eine Zeit, in der Havelaar-Produkte ausschliesslich in Claro-Läden (Drittwelt-Läden hiessen diese damals noch) erhältlich waren und man nur davon träumen konnte, dass diese Produkte eines Tages in den Gestellen der Grossverteiler liegen würden. Konsumenten und Konsumentinnen können durch ihr Einkaufsverhalten sehr viel beeinflussen, das wird häufig unterschätzt. Ich denke auch, dass noch sehr viel Potenzial sowohl für KonsumentInnen wie für ProduzentInnen bei der Direktvermarktung liegt.  Den Bauern zu kennen, der die Kartoffel anbaut, die auf meinem Tisch steht oder mich mit eigenen Augen von der artgerechten Haltung der Hühner überzeugen zu können, ist eine hohe Lebensqualität. Meine Erfahrung mit den Bauern in der Nachbarschaft ist, dass sie es sehr schätzen, wenn ich mich für ihre Arbeit und ihre Probleme interessiere. Noch etwas zur Havelaar-Schokolade: Das Ziel wäre schon, dass es keine solchen Labels mehr braucht, weil alle Schokolade fair produziert wird. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn wir als Konsumentinnen ganz klar zeigen, was wir wollen. Was den nachhaltigen Hausbau betrifft, kann ich aus eigener Erfahrung berichten. Wir haben vor 7 Jahren ein Haus nach dem Minergiestandard gebaut mit Holz aus der Region und mit einheimischen Handwerkern. Wir heizen mit Holz-Pellets und produzieren das warme Wasser über Sonnenkollektoren. Eine Fotovoltaik-Anlage oder ein Windrad zur Stromproduktion mussten wir leider auf später verschieben. Unterdessen steht in unserer Nachbarschaft bereits ein Minergie-P-Haus, das heisst, ein Passivhaus, welches ohne zusätzliche Heizquelle auskommt. Bedingung ist selbstverständlich eine optimale Besonnung. Ich kann es nur empfehlen, es ist eine spannende Sache, falls Sie selber das Glück haben, ein Haus bauen zu können. Vorbereiten darauf können Sie sich schon jetzt auf der www. minergie.ch. Ich denke, dass dieser Standard langfristig die Regel sein wird. Toll finde ich, dass Ihre Überlegungen bereits zu Aktionen geführt haben: Wassersparer bestellen beim WWF. Ein Gedanke zur Moblilität: Ich denke, dass es nicht um eine Verteufelung des Autos um jeden Preis gehen kann, da es in gewissen Situationen sicher ein tolles Hilfsmittel ist. Nur gilt es, einen sinnvollen Umgang damit zu finden und es nicht bloss aus reiner Gewöhnung zu benutzen.  Das werden wir uns langfristig nicht mehr leisten können. Auch darf es meine Meinung nach auch nicht länger ein Statussymbol sein. Falls Sie mit dem ersten Lohn als Lehrerin ein Auto anschaffen möchten - soeben hat der VCS- 'Verkehrsclub der Schweiz' die aktuelle Autoumweltliste 2009 veröffentlicht (www.vcs.ch). Ja, die Flüge schlagen beim Footprint und C02-Rechner ziemlich zu Buche. Da ist ein Umdenken sicher auch spannend: Dass nämlich die Qualität einer Reise das Wichtigste ist. Und da spielen Erfahrungen, Begegnungen, Gespräche und so weiter eine grosse Rolle. Und nicht zuletzt ist eine langsame Art des Reisens auch für die Seele heilsam, da kommt sie nämlich mit. Es musst ja nicht eine Reise mit dem Traktor nach Polen sein, wovon unlängst ein Pensionierter bei 'Aeschbacher' berichtet hat. Was er dabei aber alles erlebt hat, gäbe ein spannendes Buch. Er meinte, dass ihn die verschiedensten Gerüche am meisten
beeindruckt hätten... So wünsche ich Ihnen eine achtsame Zeit bis zum nächsten Mal und grüsse Sie herzlich, Barbara Stehle alias mikesch

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